#stopmedfakes: Dringender Handlungsbedarf bei KI-generierten Gesundheitsinhalten

Zum Roundtable kamen Anna-Lena von Hodenberg, Mitgründerin und CEO von HateAid, Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Wissenschaftsjournalist, Moderatorin und Journalistin Yara Hoffmann, Andreas Arntzen, CEO des Wort & Bild Verlags, Dr. Julia Fischer, Ärztin und Medfluencerin, Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (v.l.n.r.).

Bei Medfakes werden Gesichter, Stimmen und Aussagen realer Personen mithilfe Künstlicher Intelligenz nachgebaut. Die Fälschungen erwecken den Eindruck persönlicher Empfehlungen, obwohl die abgebildeten Personen weder die Aussagen je getätigt noch die Produkte beworben haben.

Wie sich solche Fälschungen erkennen und eindämmen lassen, diskutierten Expert:innen aus Medizin, Medien und Zivilgesellschaft am 9. September 2026 in Berlin: Zum Roundtable kamen Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Wissenschaftsjournalist, Anna-Lena von Hodenberg, Mitgründerin und CEO von HateAid, Dr. Julia Fischer, Ärztin und Medfluencerin, Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer sowie Andreas Arntzen, CEO des Wort & Bild Verlags. Moderiert wurde die Diskussion von der Journalistin Yara Hoffmann.

Wenn Vertrauen zur Angriffsfläche wird

„Wir werden zerrieben zwischen russischer Desinformation, chinesischen Algorithmen und amerikanischen Big-Tech-Konzernen, die keine Menschenwürde kennen“, sagt Eckart von Hirschhausen. Wie leicht sich Vertrauen auf diese Weise ausnutzen lässt, weiß er aus eigener Erfahrung. Sein Gesicht, seine Stimme und ihm zugeschriebene Aussagen werden seit Jahren für gefälschte Gesundheitswerbung verwendet. „Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen real und digital", so Dr. Eckart von Hirschhausen. „Die technische Entwicklung ist heute so viel schneller als unsere Kognition. Der alte Qualitätsstandard ‚Ich habe es mit eigenen Augen gesehen' ist in einer digitalen Welt nichts mehr wert."

In einer aktuellen Recherche mit 13 Suchbegriffen zu Medfakes in der Meta-Werbebibliothek hat das Österreichisches Institut für Angewandte Telekommunikation (ÖIAT) allein im August 26.697 Werbeanzeigen identifiziert, mit denen Facebook- und Instagram-Nutzer:innen zum Kauf von Medfake-Produkten verleitet werden sollten. Die Gesamtreichweite dieser Anzeigen belief sich auf über 79,6 Millionen User-Kontakte. Allein zum Suchbegriff „Eckart von Hirschhausen“ fanden sich rund 4.800 Werbeanzeigen, die im August 2026 an Facebook- und Instagram-Nutzer:innen ausgespielt wurden. Um die Dimension einmal klarzumachen: Das entspricht 18 Prozent aller identifizierten Medfake-Anzeigen.

Kennzeichnung muss unmittelbar erkennbar sein

Im Zentrum des Roundtables stand die Frage, wie sich Herkunft und Glaubwürdigkeit von Gesundheitsinformationen bei KI-generierten Inhalten verlässlich prüfen lassen. Eine klare und unmittelbar verständliche Kennzeichnung wurde dabei als zentraler Ansatz diskutiert. Zugleich dürfe die Verantwortung nicht allein bei den Nutzer:innen liegen: Auch Plattformbetreiber und Werbenetzwerke müssten transparent machen, wer hinter gesundheitsbezogenen Inhalten steht – und gegen betrügerische Inhalte vorgehen, so die Forderung.

„Es kann gar nicht genug Aufklärung zu diesem Thema geben“, sagt Andreas Arntzen, CEO des Wort & Bild Verlags. „Vertrauen wird zur wichtigsten Währung in der Gesundheitskommunikation. Jeder Mensch trägt Verantwortung für das, was er sagt und tut. Große Reichweite ändert nichts an dieser Verantwortung, vergrößert aber die möglichen Folgen. Deshalb gilt für Medien wie die Apotheken Umschau: Gesundheitsinformationen müssen verlässlich und evidenzbasiert aufbereitet und klar von manipulierten Inhalten zu unterscheiden sein.“ Zusätzlich dazu setzt sich die Apotheken Umschau mit der Kampagne #stopmedfakes für mehr Aufmerksamkeit und Aufklärung rund um das Thema ein.

Der Roundtable machte deutlich: Um Medfakes wirksam einzudämmen, braucht es gemeinsames Handeln von Medien, Plattformen, Werbenetzwerken und Anbietern von Gesundheitsinformationen. Schnelle Hilfe und verlässliche Beratung finden Patient:innen immer in ihrer Apotheke vor Ort. Das niedrigschwellige Angebot ist bei gesundheitlichen Fragen rund um die Uhr erreichbar.