Dr. Dennis Ballwieser: „Warum wir endlich eine Zuckersteuer brauchen und die Politik weiter zögert“

Fotocredit: W&B/Philipp Nemenz

„Anlässlich des Welt‑Adipositas‑Tages 2026 rückt die Frage nach wirksamen Maßnahmen zur Prävention erneut in den Fokus. Doch die jüngsten Debatten zur Zuckersteuer hatten ein ernüchterndes Ergebnis: Bloß keine Steuer oder vermeintliche Bevormundung durch den Staat, außerdem könnten der gewünschte Effekt ausbleiben und die Preise steigen. Skeptiker in Hochform.

Ich halte dagegen. Die Vorteile einer sogenannten Zuckersteuer überwiegen in meinen Augen die mögliche Belastung von Verbrauchern und Lebensmittelindustrie: Der Staat könnte einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Adipositas – insbesondere bei Kindern – leisten. Mit Maßnahmen von Prävention bis Therapie könnten wir die Gesundheitskosten signifikant senken. Wenn wir das Thema endlich strukturiert angehen.

Die Experten sind sich einig. Es wäre so einfach – und vor allem: so richtig – gewesen. Doch leider müssen wir wieder einmal feststellen, dass der politische Wille fehlt.

Heute ist Welt-Adipositas-Tag. Dieses Mal liegt der Fokus auf Adipositas bei Kindern. Weltweit ist jedes fünfte Kind übergewichtig – ein Umstand mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen. Denn aus übergewichtigen Kindern werden oft übergewichtige Jugendliche, werden übergewichtige Erwachsene. Wie die Deutsche Adipositas Gesellschaft in Zahlen belegt, rechnet man 2023 mit 4 Milliarden Betroffenen, die unter extremem Übergewicht leiden. In Deutschland lebt rund ein Viertel der Erwachsenen mit Adipositas und bereits etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen hierzulande gelten als übergewichtig oder adipös. Tendenz steigend.

Ich verstehe es nicht, warum notwendige Maßnahmen – dazu zählt neben einer Zuckersteuer etwa ein Verbot von Lebensmittel-Werbung, die sich an Minderjährige richtet – nicht endlich angegangen werden. Es wäre so einfach, die Situation zu verbessern. Die Politik müsste einfach nur machen.“

Dr. Dennis Ballwieser