Bewegung als Systemfrage: Wie Deutschland bewegungsfreundlicher wird
Drei von vier Befragten fordern politisches Handeln für mehr Bewegung – 72,7 Prozent stimmen einer täglichen Sportstunde an Schulen zu. Das zeigt eine Befragung der Apotheken Umschau (YouGov, April 2026; N=1.044).
Beim parlamentarischen Frühstück „Bewegung als Systemfrage“ am 6. Oktober 2026 in Berlin brachte das Gesundheitsmagazin rund 40 Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Medizin, Medien und Sport zusammen, um darüber zu diskutieren, wie sich Alltagsräume so gestalten lassen, dass Bewegung einfacher und selbstverständlicher wird. Kooperationspartner der Veranstaltung war die VIACTIV Krankenkasse.
„Bewegung muss für Kinder und Jugendliche selbstverständlicher Teil des Alltags sein und darf nicht davon abhängen, ob Eltern zusätzliche Angebote organisieren können“, sagte Dr. Ophelia Nick, MdB, Bündnis 90/Die Grünen, politische Schirmherrin des Frühstücks. Dafür brauche es bewegungsfreundliche Schulen, öffentliche Räume, in denen Kinder sich frei bewegen können, und starke Sportvereine vor Ort. Auch Kommunen müssten in die Lage versetzt werden, Sportstätten und Bewegungsräume dauerhaft zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Auch die anderen Impulsgeber:innen setzten auf Verhältnis- statt Verhaltensprävention: Nicht allein Einzelne zu mehr Bewegung aufzufordern, sondern Rahmenbedingungen zu schaffen, die Aktivität erleichtern. Tina Haase aus der Chefredaktion der Apotheken Umschau sagte: „Plätze zum Sporttreiben und sichere Fuß- und Fahrradwege dürfen kein Luxus sein, sondern sollten Normalität sein. Ich wünsche mir auch eine tägliche Stunde Schulsport für jedes Kind. Dafür braucht es politische Unterstützung.“
Markus Müller, Vorstand der VIACTIV Krankenkasse, betonte die gemeinsame Verantwortung: „Wenn wir Deutschland bewegungsfreundlicher machen wollen, ist das nicht allein eine Frage des individuellen Verhaltens – sondern eine gemeinsame Aufgabe von Gesundheitswesen, Politik und Gesellschaft. Wir reden bei Bewegung noch zu oft darüber, was der einzelne Mensch tun sollte. Entscheidend ist aber auch, welche Bedingungen wir schaffen.“
Die Wege, auf denen Bewegung im Alltag stattfindet, sind entscheidend, ergänzte Prof. Christian Rudolph von der Technischen Hochschule Wildau und verwies auf den Radverkehr als Gesundheits- und Mobilitätsmaßnahme: Sichere, gut ausgebaute Radwege erleichtern es, Bewegung in den Alltag zu integrieren.
Die Impulsgeber:innen waren sich einig: Deutschland bewegungsfreundlicher zu machen ist eine gemeinsame Aufgabe von Gesundheitswesen, Politik und Gesellschaft.