Apotheke der Zukunft – wie das Angebot wächst
Das Gesundheitswesen befindet sich in einem grundlegenden Wandel – das ist auch in den Apotheken zu spüren. Seit etwa vier Jahren dürfen sie gegen Grippe und Covid-19 impfen und zudem erweiterte Beratungen anbieten, die sogenannten pharmazeutischen Dienstleistungen. Dazu zählen zum Beispiel Schulungen im Umgang mit Inhalatoren, Blutdruckmessen und Medikationschecks.
Mit der im Mai 2026 beschlossenen Apothekenreform geht die Politik nun noch einen Schritt weiter: Künftig dürfen Apotheken deutlich mehr Impfungen übernehmen, neue Angebote aus den Bereichen Vorsorge und Früherkennung von Krankheiten aufsetzen sowie Blut aus der Armbeuge abnehmen. Darüber hinaus sollen bald weitere pharmazeutische Dienstleistungen angeboten werden, etwa Hilfe beim Rauchstopp oder Schulungen im Umgang mit Medikamenten, die Patientinnen und Patienten selbstständig spritzen müssen. Wer viele Arzneimittel einnehmen muss oder ein Medikament zum ersten Mal erhält, bekommt eine Therapiebegleitung durch die Apotheke. Und: In bestimmten Fällen dürfen Apotheken verschreibungspflichtige Arzneimittel auch ohne Rezept abgeben.
Dr. Ina Lucas, Vizepräsidentin der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, hält es im Gespräch mit der Apotheken Umschau für richtig, dass die Politik die Apotheken jetzt stärker in die Versorgung der Menschen in Deutschland einbindet als bisher. „Die Patientinnen und Patienten suchen nach niedrigschwelligen Gesundheitsangeboten“, sagt sie. „Apotheken können diesen Bedarf decken: Sie beraten nicht nur fachlich kompetent, sondern dürfen jetzt immer öfter auch praktisch helfen. Früher kamen die Menschen zu uns, wenn sie ein Rezept einlösen wollten. In Zukunft werden sie kommen, um gesund zu bleiben oder sich bei ihrer Arzneimitteltherapie begleiten und unterstützen zu lassen.“
Dass sich die Rolle der Apotheken immer mehr verändert, nimmt auch der Gesundheitsökonom Prof. Dr. David Matusiewicz wahr. „Apotheken entwickeln sich von fachkundigen Abgabestellen für Arzneimittel hin zu Gesundheitsdienstleistern“, sagt er. Das neue Leistungsspektrum komme einem gesellschaftlichen Trend entgegen: „Die Bürgerinnen und Bürger achten heute viel mehr auf ihre Gesundheit als früher“, beobachtet Matusiewicz. „Sie wollen lange fit bleiben, sich gesund ernähren und ihre Leistungsfähigkeit erhalten oder steigern.“ Ob Schlaf, Stress, Gewichtsreduktion oder Rauchstopp – das pharmazeutische Wissen der Apothekenteams wird nach Einschätzung des Ökonomen in Zukunft so gefragt sein wie noch nie.
Apotheken seien für die Menschen so etwas wie Lotsen im Gesundheitssystem. Diese Funktion, so Lucas, sollte die Politik noch weiter stärken. In der aktuellen Ausgabe „Apotheke der Zukunft“ (AU 9B/2026) der Apotheken Umschau geben Expert:innen detaillierte Einblicke in die Reformen und wie die Menschen davon profitieren können.