Interview

Verlagszentrale in Baierbrunn bei München
 
 

Jens Spahn: „Der Apotheker vor Ort ist Teil von Heimat“

18. Juli 2018. Jens Spahn, seit März Bundesminister für Gesundheit, hat sich bislang nicht eindeutig zum Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten über EU-Ländergrenzen hinweg positioniert. Im exklusiven Interview mit der Apotheken Umschau, in dem er seine Haltung zu zentralen Punkten der medizinischen Versorgung in Deutschland darlegt, sagt er jetzt zur diesbezüglichen EuGH-Entscheidung: "Es kann doch nicht sein, dass Apotheken, die aus dem EU-Ausland rezeptpflichtige Medikamente nach Deutschland versenden, Rabatte geben können und nicht an die deutsche Arzneimittelpreisverordnung gebunden sind. Ich halte deshalb das Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2016, das diesen Versandhandel möglich macht, im Ansatz für falsch. Aber wir müssen jetzt damit umgehen."

Konkrete Schritte nennt Jens Spahn im persönlichen Gespräch mit Apotheken Umschau-Chefredakteur Dr. Hans Haltmeier bislang nicht, betont jedoch: "Ich möchte alles versuchen, um einen fairen Wettbewerb herzustellen. Wenn das nicht gelingt, nehmen wir ein generelles Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Medikamente in den Blick."

"Die Apotheke vor Ort bleibt wichtiger Bestandteil unserer Versorgung"

Einer Forderung des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen, das Fremd- und Mehrbesitzverbot aufzuheben und damit in Deutschland Apothekenketten zu erlauben, erteilt der Bundesgesundheitsminister eine klare Absage: "Das ist absolut kein Thema! Die Apotheke vor Ort bleibt wichtiger Bestandteil unserer Versorgung. Und das verträgt sich nicht mit Investoren, die nur nach der Rendite schauen. Genauso wie der Hausarzt ist der Apotheker vor Ort Teil von Heimat. Darauf können wir nicht verzichten."

Deutlich mehr Tempo fordert Jens Spahn von der Gesundheitsbranche beim Thema Digitalisierung. Eine Zusammenfassung des Interviews lesen Sie unter www.apotheken-umschau.de.