Zweites Bayerisches GesundheitsGespräch lotet Lösungs- und Verbesserungsansätze aus

Verlagszentrale in Baierbrunn bei München
 
 

Die Zukunft der ländlichen Gesundheitsversorgung

"Diagnose Diaspora" – unter diesem provokanten Motto diskutierten Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auf Einladung des Wort & Bild Verlags (W&B), der AOK Bayern und der Deutschen Journalistenschule München (DJS) beim zweiten "Bayerischen GesundheitsGespräch" in Baierbrunn das Thema ländliche Gesundheitsversorgung.

2018 Bayerisches GesundheitsGespraech

Zweites Bayerisches GesundheitsGespräch (v.l.n.r.): Thomas Benkert, Präsident der Bayerischen Apothekerkammer, Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, Dr. Helmut Platzer, Vorstandsvorsitzender der AOK Bayern, Emmi Zeulner, bayerische Bundestagsabgeordnete (CSU), Prof. Dr. Jochen Gensichen von der LMU München, Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des bayerischen Hausärzteverbandes, Dr. Dennis Ballwieser, Geschäftsführer Wort & Bild Verlag, Klaus Kastan (Moderator, Bayerischer Rundfunk), Marlene Mengue (Co-Moderatorin, DJS)

Unter der Moderation von Klaus Kastan (Bayerischer Rundfunk) kristallisierten sich die Schwerpunkte Apotheken, Hausärzte und ärztlicher Bereitschaftsdienst heraus. So betonte Thomas Benkert die Bedeutung der "Vor-Ort-Apotheken" für die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung und sprach sich klar gegen den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten aus. Dr. Dieter Geis warnte, dass sich im Freistaat für immer mehr Hausarztpraxen keine Nachfolger finden. Er fordert wirtschaftlich interessante Hausarztverträge und die Möglichkeit, in Teilzeit zu praktizieren, um die medizinische Versorgung auf dem Land für junge Ärzte attraktiver zu machen. Emmi Zeulner, Mitglied des Gesundheitsausschusses im Bundestag, bekräftigte das Ziel, im Bund wie im Land für alle Bürgerinnen und Bürger unabhängig von Alter, Einkommen und sozialer Herkunft eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung sicherzustellen. Für Siegfried Hasenbein bieten die Krankenhäuser in den ländlichen Regionen eine bürgernahe stationäre Versorgung nach dem neuesten Stand der Medizin an, auch indem sie sich gleichzeitig für schwierigere Fälle mit Schwerpunktkliniken vernetzen. Seiner Ansicht nach seien Kliniken darüber hinaus in immer größerem Maße gefordert, auch Lücken in der fachärztlichen ambulanten Versorgung zu füllen. Dr. Helmut Platzer spannte mit seinen Vorschlägen den Bogen noch weiter und wies auf die grundsätzlichen Herausforderungen an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Behandlung hin. Der Jurist ist sich sicher: "Es gibt – bei Verzicht auf Erbhofdenken und Ideologie – sehr wohl Rezepte, um weitere quantitative und qualitative Versorgungsdefizite zu vermeiden." Auch nach Ansicht von Prof. Dr. Jochen Gensichen werden Maßnahmen gegen den Hausarztmangel umso erfolgreicher sein, wenn sich Hausärzte für die Zusammenarbeit mit den neuen medizinischen Akteuren weiter öffnen: "Die Hausarztpraxis – digital unterstützt – wird dann auch auf dem Land für die künftigen Ärztinnen ein attraktiver Arbeitsort – und für die Patienten weiter der erste Ort für ihre Gesundheit sein," betonte der Mediziner.

Angereichert durch kurze Filmeinspielungen von DJS-Studenten zur Gegenwart und Zukunft der Apotheken und des ärztlichen Bereitschaftsdienstes auf dem Land, entspann sich eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum.

Das dritte Bayerische GesundheitsGespräch in Baierbrunn findet am 16. Oktober 2018 zum Thema "Wenn die Pflege am Stock geht – Die Politik zur Altenversorgung im Diskurs" statt.